Papier
Jeder fünfte Baum, der weltweit gefällt wird, landet in der Papierproduktion. Die Gewinnung von Zellstoff aus Pflanzenabfällen der Ananaspflanze bietet neue Möglichkeiten, um die CO2-Speicher vor der Abholzung zu schützen, die Umwelt zu schonen und Agrarreste in die Kreislaufwirtschaft zurückzuführen.
DATEN & FAKTEN
Branche:
Zellstoffindustrie
Nachwachsender Rohstoff:
Ananaspflanzenreste
Bioökonomie-Faktor:
Nutzung von Restbiomasse, geringerer Chemikalienbedarf, Entlastung von Holzressourcen
Beteiligte Unternehmen:
eco:fibr GmbH
Status:
industrielle Skalierung im Aufbau, Markteintritt ab 2026 geplant
Ressourcenschonender Zellstoff aus Agrarresten
Das Start-up eco:fibr entwickelte einen innovativen Ansatz um Zellstoff aus den Blättern der Ananaspflanze zu gewinnen. Diese Blätter fallen in großen Mengen als Ernterest an und werden bislang meist verbrannt, allein 4,5 Millionen Tonnen allein in Costa Rica. Als Agrarreststoff benötigen sie keine zusätzliche Fläche und konkurrieren nicht mit Nahrungsmitteln. Ein weiterer Vorteil: Ananasblätter enthalten deutlich weniger Lignin als Holz. Lignin ist jener Pflanzenstoff, der in der klassischen Zellstoffproduktion energie- und chemikalienintensiv entfernt werden muss. Durch den geringeren Ligningehalt lässt sich der Faseraufschluss bei eco:fibr mit einem ressourcenschonenderen, chemikalienarmen Verfahren realisieren, was den ökologischen Fußabdruck erheblich reduziert. Durch ihre stoffliche Nutzung entsteht ein neuer, biobasierter Rohstoff, der ohne zusätzliche Landnutzung oder Holzverbrauch auskommt. Der so gewonnene Zellstoff ist qualitativ mit herkömmlichem Holzzellstoff vergleichbar und eignet sich für zahlreiche papier- und kartonbasierte Anwendungen.
Beitrag zur Kreislaufwirtschaft
Die Verwertung der Ananasblätter schließt einen bislang offenen Stoffstrom der Landwirtschaft. Statt Emissionen durch Verbrennung entstehen hochwertige Fasern, die sich für Papier, Karton und weitere faserbasierte Produkte eignen. Die Nutzung der Reststoffe stärkt lokale Wertschöpfungsketten, insbesondere in Ländern wie Costa Rica, wo große Anbaumengen anfallen. Gleichzeitig entlastet der alternative Zellstoff die globalen Holzressourcen und bietet der Papierindustrie eine biobasierte Ergänzung zu etablierten Rohstoffen.
Perspektiven für eine biobasierte Industrie
Der gewonnene Zellstoff sind lang und widerstandfähig. Er eignet sich für Spezialpapiere, Verpackungen, sowie Komposit- und Baumaterialien. Mit dem Aufbau einer ersten Produktionsanlage im Ursprungsland der Rohstoffe überführt eco:fibr sein Verfahren in den industriellen Maßstab. Der Ansatz eröffnet Perspektiven für eine materialeffiziente Industrie, die weniger auf Primärrohstoffe angewiesen ist und stärker auf biobasierte Kreisläufe setzt.
Marktreife
eco:fibr steht kurz vor dem Markteintritt: Der Zellstoff aus Ananasblättern ist technologisch weit entwickelt, aber erst mit dem geplanten Produktionsstart ab 2026 regulär verfügbar. Aktuell existieren Pilotmengen und Muster, jedoch noch keine kontinuierliche industrielle Lieferung. (Stand März 2026)
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