Brandenburg

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Brandenburg entwickelt seine Bioökonomie derzeit von einem überwiegend projektbasierten Ansatz hin zu einer strategisch verankerten Transformationspolitik weiter. Mit der in Entwicklung befindlichen Bioökonomiestrategie Brandenburg 2035, neuen Schwerpunkten in den Bereichen Paludikultur, Holzbau und Kreislaufwirtschaft sowie einer starken Forschungslandschaft positioniert sich das Land zunehmend als Innovationsstandort für biobasierte Wertschöpfung. Forschungseinrichtungen, Modellprojekte und regionale Netzwerke verbinden dabei Strukturwandel, Klimaschutz und nachhaltige Ressourcennutzung zu neuen Entwicklungspfaden für Landwirtschaft, Industrie und ländliche Räume.

Grundlagen: Politik & Strategie

Die Bioökonomie ist in Brandenburg seit der Nachhaltigkeitsstrategie des Landes von 2014 als Bestandteil einer ressourcenschonenden und klimaverträglichen Wirtschaftsweise verankert. Mit der Landesnachhaltigkeitsstrategie Brandenburg 2023 wurde dieser strategische Rahmen fortgeschrieben und weiterentwickelt. Darin wird die Bioökonomie als nachhaltige, ressourceneffiziente und zunehmend kreislauforientierte Wirtschaftsweise berücksichtigt und in die übergeordneten Nachhaltigkeitsziele des Landes eingebettet.

Um den Wandel von einer überwiegend fossilen Rohstoffbasis hin zu einer biobasierten, kreislauforientierten und innovationsgetriebenen Wirtschaft systematisch voranzutreiben, beschloss der Brandenburger Landtag im November 2021 die Erarbeitung einer eigenständigen Bioökonomiestrategie Brandenburg 2035. Die Strategie befindet sich noch im Entwicklungs- und Konsultationsprozess und wird durch Fachworkshops sowie Beteiligungsformate gemeinsam mit Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung schrittweise konkretisiert. Die Koordination erfolgt durch das Ministerium für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz (MLEUV; ehemals MLUK).

Einen strategischen Impuls setzte das damalige MLUK bereits 2020 mit der Veröffentlichung „Nachhaltige Bioökonomie in Brandenburg. Biobasierte Wertschöpfung - regional und innovativ“. Die Publikation stellt regionale Praxis- und Innovationsbeispiele vor und beschreibt Entwicklungsansätze für den Ausbau biobasierter Wertschöpfung im Land. 

Die derzeitige Strategieentwicklung konzentriert sich insbesondere auf die Bereiche Landwirtschaft, Forst- und Holzwirtschaft, Ernährungswirtschaft sowie die Kunststoff- und Chemiebranche als bioökonomische Schwerpunktfelder. Im Rahmen thematischer Workshops wurden hierfür zentrale Handlungsfelder identifiziert, darunter die stärkere Nutzung biogener Rest- und Nebenstoffe, der Ausbau regionaler Biomasse- und Stoffkreisläufe, die Förderung nachwachsender Rohstoffe sowie die Entwicklung biobasierter Materialien und regionaler Wertschöpfungsketten. Zunehmend werden dabei auch Klima- und Ressourcenschutz mit bioökonomischen Ansätzen verknüpft. Dies zeigt sich insbesondere in der Förderung von Moorwiedervernässung und Paludikultur (Bewirtschaftung dieser wiedervernässten Moorstandorte unter Erhalt des hohen Wasserstandes), bei denen die stoffliche Nutzung von Biomasse, beispielsweise Schilf, Rohrkolben oder Nasswiesenbiomasse, als strategisches Entwicklungsfeld betrachtet wird. Ebenso gewinnt die Holzbaupolitik an Bedeutung. Der verstärkte Einsatz nachwachsender Baustoffe und der Ausbau regionaler Holz-Wertschöpfungsketten sollen zu einer klimafreundlichen und ressourceneffizienten Bauwirtschaft beitragen und zugleich zusätzliche Potenziale für regionale Wertschöpfung und Kohlenstoffbindung erschließen. 

Parallel dazu ist die Bioökonomie in die gemeinsame Innovationspolitik von Brandenburg und Berlin eingebunden. Die Innovationsstrategie innoBB 2025 plus erweitert die frühere gemeinsame Innovationsstrategie Berlin-Brandenburg um missionsorientierte und transformationsbezogene Ansätze und stärkt insbesondere Nachhaltigkeit, Digitalisierung sowie Ressourceneffizienz als Querschnittsthemen. Im Rahmen der gemeinsamen Innovationsstrategie innoBB 2025 plus sind bioökonomische Themen insbesondere in den Clustern Gesundheitswirtschaft, Kunststoffe und Chemie sowie Ernährungswirtschaft verankert. Während die Biotechnologie vor allem im Cluster Gesundheitswirtschaft eine wichtige Rolle einnimmt, adressieren die von der Wirtschaftsförderung Brandenburg (WFBB) koordinierten Cluster Kunststoffe und Chemie sowie Ernährungswirtschaft bioökonomische Fragestellungen im Bereich nachhaltiger Rohstoffnutzung, Kreislaufwirtschaft und biobasierter Wertschöpfung.

Ein wichtiges Transferinstrument bildet das Netzwerk Nachwachsende Rohstoffe Brandenburg (NeuWaR), das seit 2021 Akteure entlang bioökonomischer Wertschöpfungsketten vernetzt. Im Fokus stehen Wissenstransfer, Demonstrationsvorhaben, Vernetzung von Praxis und Forschung sowie die Identifikation und Begleitung innovativer Anwendungsbeispiele für nachwachsende Rohstoffe.

Forschung & Innovation

Die politisch-strategischen Aktivitäten zur Bioökonomie in Brandenburg werden durch eine breit aufgestellte Forschungs- und Innovationslandschaft ergänzt. Brandenburg verfügt über mehrere Universitäten und Hochschulen sowie zahlreiche außeruniversitäre Forschungseinrichtungen, darunter Institute der Leibniz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft. Mehrere dieser Einrichtungen arbeiten unmittelbar zu bioökonomischen Themenfeldern und bilden damit eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung und den Transfer biobasierter Prozesse, Produkte und Wertschöpfungsketten.

Eine zentrale Rolle nimmt das Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam ein, das zu nachhaltigen Biomassesystemen, Kreislaufwirtschaft, Reststoffverwertung, Digitalisierung in der Landwirtschaft und bioökonomischen Produktionssystemen forscht. Ergänzt wird die Forschungslandschaft auch durch das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) in Müncheberg, die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) mit Schwerpunkten in nachhaltiger Landnutzung, Wald- und Ressourcenmanagement sowie die Technische Hochschule Wildau, die in Bereichen wie Biotechnologie, Innovationsmanagement und nachhaltigen Produktionssystemen aktiv ist. 

Die Forschungs- und Innovationsförderung ist zugleich eng mit den Strukturwandelprozessen im Lausitzer Braunkohlerevier verknüpft. Zahlreiche Projekte adressieren den Übergang zu klima- und ressourcenschonenden Landnutzungs- und Wirtschaftssystemen und werden dabei durch Landesmittel sowie Programme verschiedener Bundesministerien unterstützt. Ein bedeutendes Beispiel ist das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderte WIR!-Bündnis „Land-Innovation-Lausitz (LIL)”, das den Aufbau einer Bioökonomie-Modellregion in der Lausitz unterstützt.

Ebenfalls im Kontext des Strukturwandels entstand das Projekt DAKIS („Digitales Wissens- & Informationssystem für die Landwirtschaft“). Das Projekt nutzt die fortschreitende Digitalisierung und Feldrobotik, um Ökosystemleistungen (ÖSL) und Biodiversität in moderne Planungsprozesse, Produktion und Vermarktung zu integrieren. In der Pilotregion Brandenburg fokussiert sich die DAKIS-Forschung schwerpunktmäßig auf ausgewählte Landschaftsfenster, die sich innerhalb der Landkreise Märkisch-Oderland, Uckermark, Oberhavel und Havelland befinden. Innerhalb dieser Landschaftsfenster befinden sich DAKIS-Experimentierfelder auf denen die kleinflächige Bewirtschaftung (Patch-Anbau) und die differenzierte Bereitstellung von Ökosystemleistungen erprobt wird. 

Das Pilotprojekt BLuMo hat das Ziel, die nasse Bewirtschaftung von Niedermoorflächen zu erproben und eine dauerhafte, nachhaltige Wertschöpfung durch landwirtschaftliche Nutzung zu ermöglichen. Dazu werden in Zusammenarbeit mit den Landnutzern 750 Hektar Demonstrationsflächen im Rhinluch, in den Möllmer Seewiesen und im Randowbruch durch eine Anhebung der Wasserstände eingerichtet.

Ein zentrales Zukunftsprojekt entsteht derzeit in Groß Kreutz. Auf dem Gelände der Lehr- und Versuchsanstalt für Tierzucht und Tierhaltung e. V. (LVAT) wird unter Koordination des ATB der Leibniz-Innovationshof für nachhaltige Bioökonomie aufgebaut. Bis 2027 entsteht dort eine Forschungs- und Demonstrationsplattform für nachhaltige Kreislaufwirtschaft und resiliente Agrarsysteme, an der mehrere Forschungseinrichtungen beteiligt sind. Im Fokus stehen unter anderem Stoffkreisläufe, Biomassenutzung, Digitalisierung und nachhaltige Landwirtschaft. Das Land Brandenburg unterstützte den Aufbau über das Wissenschaftsministerium mit rund 25 Mio. Euro (2021-2026).