Bayern

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Die Bioökonomie gewinnt in Bayern stetig an Bedeutung. Als erstes Bundesland berief der Freistaat bereits 2015 einen eigenen Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern ein, der die Ausgangssituation und Potenziale im Land analysierte und bis heute die Weiterentwicklung der Bioökonomie begleitet. Mit der Erweiterung des Campus Straubing der Technischen Universität München (TUM) setzte Bayern zudem früh einen Schwerpunkt auf Forschung, Ausbildung und Technologietransfer im Bereich biobasierter Wirtschaft. Ergänzt wird dies durch starke Netzwerke aus Wissenschaft und Wirtschaft, etwa im Rahmen der Cluster-Offensive Bayern, sowie durch innovative Standorte wie den BioCampus im Hafen Straubing-Sand. 

Grundlagen: Politik & Förderung 

Bayern hat 2015 als erstes Bundesland einen eigenen Sachverständigenrat Bioökonomie Bayern (SVB) im Auftrag des Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus (StMELF) eingerichtet. Das interdisziplinär besetzte Gremium berät seit 2019 die Bayerische Staatsregierung in Fragen der Bioökonomie und veröffentlicht Empfehlungen und Diskussionspapiere zu biobasierten Technologien, Kreislaufwirtschaft und gesellschaftlicher Akzeptanz.

Mit dem Grundsatzpapier „Die Grundsätze der Bioökonomie in Bayern“ legte der Rat 2017 eine erste strategische Einordnung vor. Es folgten unter anderem die „Empfehlungen zur Förderung der Bioökonomie in Bayern“ (2017). Im November 2020 veröffentlichte das Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie (StMWi) die Bioökonomiestrategie „Zukunft.Bioökonomie.Bayern“, die gemeinsam mit dem SVB, der interministeriellen Arbeitsgruppe „Nachwachsende Rohstoffe“ und „Bioökonomie“ sowie bayerischen Clustern erarbeitet wurde. Die Strategie definiert acht übergeordnete Ziele und 50 Maßnahmen für eine nachhaltige biobasierte Transformation.

2023 erschien ein erster Fortschrittsbericht zur Umsetzung der Bioökonomiestrategie. Darin werden Maßnahmen in den Bereichen Forschung, Innovation und nachhaltige Ressourcennutzung dargestellt und hinsichtlich ihres Umsetzungsstands bewertet. Zu den aufgeführten Vorhaben zählt unter anderem das Projekt „BioReSt – Vorbereitung einer bayerischen Biomasse-Ressourcenstrategie“, das die Verfügbarkeit und Nutzungspotenziale von Biomasse in Bayern analysierte und Grundlagen für eine langfristige Biomassestrategie schaffen sollte. Die Projektergebnisse zeigen, dass Bayern bereits über eine breite land- und forstwirtschaftliche Biomassebasis verfügt und insbesondere Nebenprodukte und Reststoffe Potenziale für neue Wertschöpfungsketten bieten. Gleichzeitig betonen die Ergebnisse die Bedeutung einer effizienten Nutzung biogener Ressourcen sowie geschlossener Stoffkreisläufe, um Umweltwirkungen und Nutzungskonflikte zu minimieren.

Die bayerische Forschungslandschaft im Bereich Bioökonomie ist breit aufgestellt und stark innovationsorientiert. Eine zentrale Rolle spielt die Cluster-Offensive Bayern mit landesweiten Netzwerken aus Wissenschaft und Wirtschaft, insbesondere in den Bereichen Umwelttechnologie, Biotechnologie, Ernährung, Forst und Holz sowie neue Materialien. In der aktuellen und somit fünften Förderperiode (2024 – 2027) unterstützt die Bayerische Staatsregierung unter dem Motto „Stark in Bayerns Clustern #EffizientVernetzt“ insgesamt 17 Plattformen in wichtigen Kompetenzfeldern der bayerischen Wirtschaft. Bioökonomie-Themen sind vor allem in den Clustern „Neue Werkstoffe“, „Umwelttechnologie“, „Biotechnologie“ sowie „Forst & Holz“ präsent.

Ergänzend dazu unterstützt der Freistaat Bayern mit dem Förderprogramm „BayBioökonomie-Scale-Up“ Unternehmen beim Aufbau und der Erweiterung von Produktionsanlagen zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe. Ziel ist es, innovative bioökonomische Verfahren schneller in die industrielle Anwendung zu bringen und Bayern langfristig als führenden Standort für nachhaltige, biobasierte Technologien zu etablieren.

Forschung & Innovation

In Bayern gibt es gleich mehrere Wissenschaftsstandorte zur Bioökonomie. Hervorzuheben ist insbesondere das Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe (KoNaRo) in Straubing. Dort sind der TUM Campus Straubing für Biotechnologie und Nachhaltigkeit (TUMCS), das Technologie- und Förderzentrum (TFZ) sowie das Centrale Agrar-Rohstoff Marketing- und Energie-Netzwerk e.V. (C.A.R.M.E.N. e.V.) gebündelt. Der TUMCS wird kontinuierlich als Schwerpunktstandort für Bioökonomie ausgebaut und kooperiert eng mit der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Angeboten werden zahlreiche deutsch- und englischsprachige Studiengänge, darunter „Bioökonomie“, „Biomass Technology“, „Chemical Biotechnology“, „Sustainable Energy & Processes“, „Sustainable Management & Technology“ sowie „Sustainable Engineering“. Der Standort entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen bayerischen Transfer- und Innovationszentrum für biobasierte Technologien und industrielle Bioökonomie. 

Der Hafen Straubing-Sand hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten Standorte für Bioökonomie und industrielle Biotechnologie in Bayern entwickelt. Neben seiner klassischen Funktion als Logistik- und Industriehafen verfolgt der Standort das Ziel, nachhaltige Wertschöpfung mit moderner Infrastruktur, Forschung und Innovation zu verbinden. Ein zentraler Bestandteil dieser Entwicklung ist der BioCampus im Hafen Straubing-Sand. Auf dem rund zwölf Hektar großen Areal entsteht ein umfassendes Ökosystem für Innovationen der biobasierten Wirtschaft. Hier finden Start-ups, Forschungseinrichtungen und etablierte Unternehmen ideale Bedingungen, um neue Technologien und Verfahren im Bereich der industriellen Biotechnologie zu entwickeln und zu skalieren. Unterstützt wird dies durch moderne Büro-, Labor- und Entwicklungsflächen im Technologie- und Gründerzentrum sowie durch die direkte Anbindung an die Donau, die eine nachhaltige und effiziente Biomasselogistik ermöglicht.

Besonders bedeutend ist das Projekt BioCampus MultiPilot (BMP), eine Mehrzweck-Demonstrationsanlage für industrielle Biotechnologie. Mit ihr sollen biotechnologische Prozesse künftig vom Labor- in den industriellen Maßstab überführt werden können. Der Spatenstich erfolgte bereits 2023, die Inbetriebnahme ist für Anfang 2027 vorgesehen. Ziel ist es, Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus aller Welt die Möglichkeit zu bieten, innovative biobasierte Verfahren unter realen Produktionsbedingungen zu testen und weiterzuentwickeln.

Darüber hinaus entwickelt sich mit BIO-KAI ein speziell ausgerichtetes Quartier für Unternehmen, die sich auf die Nutzung nachwachsender Roh- und Reststoffe konzentrieren. Damit wird der Hafen Straubing-Sand zunehmend zu einem Knotenpunkt für nachhaltige Industrieentwicklung und Technologietransfer in Bayern. Durch die Kombination aus moderner Hafeninfrastruktur, Forschung, Unternehmensförderung und politischer Unterstützung entsteht in Straubing-Sand ein zukunftsorientierter Standort, der wesentlich zur Transformation hin zu einer nachhaltigen und biobasierten Wirtschaft beiträgt.