Whiskyreste liefern Rohstoff für Kosmetik
Evonik setzt für einen Kosmetikinhaltsstoff Biobutanol aus schottischen Whisky- und Lebensmittelreststoffen ein. Damit erreicht ein fermentativ erzeugter Rohstoff die industrielle Anwendung.
Ein Inhaltsstoff für Hautpflege, Sonnenschutz und Make-up bekommt einen ungewöhnlichen Rohstoff. In dem Kosmetikinhaltsstoff ECOHANCE Soft BOL setzt Evonik Biobutanol des schottischen Unternehmens Celtic Renewables ein. Hergestellt wird es aus Reststoffen der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, darunter Rückstände der Whisky-Destillation und aussortierte Kartoffeln.
Biobutanol aus Whisky- und Kartoffelresten
Celtic Renewables betreibt im schottischen Grangemouth eine Bioraffinerie, in der solche Reststoffe mit der ABE-Fermentation verwertet werden. Bei diesem biologischen Verfahren entstehen Aceton, Butanol und Ethanol. Als Rohstoff dient unter anderem „Pot Ale“. Die nährstoffreiche Flüssigkeit bleibt bei der Whisky-Destillation zurück, nachdem der Alkohol abgetrennt wurde, und fällt in schottischen Brennereien als Nebenstrom an. Hinzu kommen Kartoffeln, die nicht für den Lebensmittelmarkt geeignet sind. Die Demonstrationsanlage ist seit 2023 in Betrieb und produziert bereits Chemikalien für Kunden.
Bei Evonik wird das Biobutanol zu Butyloleat weiterverarbeitet. Dieser Ester wird in Kosmetikprodukten als sogenanntes Emolliens eingesetzt, das für ein seidiges Hautgefühl sorgen soll. Für den zweiten Baustein, die Ölsäure, nutzt Evonik einen sauren Reststrom aus der Olivenölraffination. Beide Komponenten werden enzymatisch bei Temperaturen unter 90 Grad Celsius miteinander verbunden. Laut Evonik kommt dabei Strom aus erneuerbaren Quellen zum Einsatz.
Reststoffe erreichen die industrielle Anwendung
ECOHANCE Soft BOL selbst ist nicht ganz neu. Evonik hatte den Inhaltsstoff bereits im April 2026 auf der Branchenmesse in-cosmetics Global vorgestellt. Neu ist nun vor allem, dass Celtic Renewables als Lieferant des biobasierten Butanols und die Herkunft aus schottischen Reststoffströmen bekannt gemacht wurde.
Damit reicht die Wertschöpfungskette von Nebenprodukten aus Whisky-, Kartoffel- und Olivenölproduktion bis zu einem Inhaltsstoff für Hautpflege, Sonnenschutz und dekorative Kosmetik. Celtic Renewables plant am Standort Grangemouth eine größere Bioraffinerie mit der zehnfachen Kapazität der heutigen Anlage. Evonik und Celtic Renewables prüfen zudem weitere Einsatzmöglichkeiten für die biobasierten Chemikalien in Kosmetikprodukten.
ag