US-Anlage stellt Flugkraftstoff aus CO₂ her
Twelve hat in Washington AirPlant One eröffnet. Die Anlage soll aus abgeschiedenem CO₂, Wasser und erneuerbarem Strom synthetischen Flugkraftstoff und E-Naphtha für Chemieprodukte herstellen.
Flugkraftstoff aus CO₂, Wasser und erneuerbarem Strom ist in den USA einen Schritt näher an den Markt gerückt. Das Unternehmen Twelve hat in Moses Lake im Bundesstaat Washington seine Anlage „AirPlant One“ eröffnet. Nach Angaben des Unternehmens ist sie die erste kommerzielle Anlage in den USA, die sogenannten E-Jetkraftstoff aus CO₂, erneuerbarem Strom und Wasser im Power-to-Liquid-Verfahren herstellt. Neben dem synthetischen Flugkraftstoff produziert die Anlage auch E-Naphtha, einen Grundstoff für chemische Produkte.
Abgeschiedenes CO₂ wird zur Kohlenstoffquelle
Twelve beschreibt „E-Jet“ als strombasierten Kraftstoff, der anders als viele nachhaltige Flugkraftstoffe nicht aus landwirtschaftlichen Rohstoffen hergestellt wird. Für die Bioökonomie ist der Ansatz deshalb vor allem als ergänzender Weg der Kohlenstoffnutzung interessant, der den Druck von biogenen Ressourcen nimmt. Anstatt fossile Rohstoffe zu fördern oder Biomasse einzusetzen, nutzt das Verfahren abgeschiedenes CO₂ als Kohlenstoffquelle. Dieses wird mit Wasser und erneuerbarem Strom kombiniert und in Kohlenwasserstoffmoleküle umgewandelt. Der so erzeugte Kraftstoff soll chemisch herkömmlichem Kerosin entsprechen und ohne größere Anpassungen in bereits bestehender Flugzeug- und Flughafeninfrastruktur nutzbar sein.
Twelve meldet, dass AirPlant One bereits Kraftstoff nach Spezifikation herstellt. Der E-Jetkraftstoff erfülle die Anforderungen der ASTM International für den Einsatz in kommerziellen Flugzeugen und werde wie geplant an die kommerzielle Luftfahrt geliefert und verkauft. Alaska Airlines will nach Angaben der Beteiligten regelmäßige Inlandsflüge mit E-Jet-SAF aus der Anlage durchführen. Microsoft ist über seinen Climate Innovation Fund und eine Abnahmevereinbarung beteiligt; bereits 2022 hatten Alaska Airlines und Microsoft laut Twelve gemeinsam eine Abnahme von Produktionsmengen zugesagt.
CO₂ auch zu Chemierohstoff E-Naphtha
Neben Flugkraftstoff entsteht in Moses Lake E-Naphtha. Naphtha ist ein flüssiges Kohlenwasserstoffgemisch, das bislang meist aus Erdöl stammt und in der Chemie als Ausgangsstoff für zahlreiche Produkte dient. Twelve beschreibt die CO₂-basierte Variante als chemisch identischen Ersatz, der für Kunststoffe, Verpackungen, Lösungsmittel oder synthetische Fasern genutzt werden kann. Das Unternehmen verweist auf frühere Konzeptprojekte mit Mercedes-Benz, PANGAIA und Procter & Gamble, in denen CO₂-basierte Materialien oder Inhaltsstoffe erprobt wurden.
Nach Angaben von Twelve ist die Technologie darauf ausgelegt, auf weitere Produktionsstandorte, Airline-Partner sowie zusätzliche Kraftstoff- und Chemieprodukte übertragen zu werden. AirPlant One soll das Unternehmen dabei in die Lage versetzen, die heimische Produktionskapazität auszubauen, während die Energieinfrastruktur in den USA weiter wächst.
hn