Report skizziert Wege zur klimaneutralen Kreislaufchemie
Ein Team von Forschenden der BASF zeigt in einem Report, wie die Chemieindustrie bis 2050 klimaneutral und kreislauforientiert werden kann. Im Fokus stehen biobasierte und recycelte Rohstoffe sowie die Gewinnung von Kohlenstoff aus CO2.
Grundchemikalien bilden die Basis für Kunststoffe, Düngemittel, Lösungsmittel und viele weitere Produkte. Noch stammen Kohlenstoff und Prozessenergie in der Branche meist aus Erdöl und Erdgas. In einem Bericht im Journal RSC Sustainability beschreiben Bernhard von Vacano und Kolleginnen und Kollegen bei BASF, welche Stellhebel aus Sicht eines integrierten Chemiekonzerns zusammenkommen müssen, damit eine Defossilierung technisch machbar und wirtschaftlich tragfähig wird.
Kohlenstoffquellen neu denken
Im Zentrum steht die Frage, woher der Kohlenstoff künftig kommt. Die Autorinnen und Autoren um Bernhard von Vacano nennen drei Hauptpfade: recycelte Kohlenstoffströme aus Kunststoffabfällen, biogene Rohstoffe und perspektivisch auch CO2 als Ausgangsstoff. Wichtig sei, dass Kreislaufpfade nicht isoliert betrachtet werden, sondern als Teil komplexer Wertschöpfungsketten. Transparenz über Herkunft und Klimabilanz soll dabei helfen, Produkte gezielt zu steuern. Als Werkzeuge diskutiert das Team unter anderem Massenbilanz Ansätze und digitale Datenmodelle, die den Carbon-Footprint entlang des Produkt-Portfolios ausweisen.
Elektrifizierung und neue Prozessrouten
Da petrochemische Rohstoffe heute zugleich Energiequelle sind, lässt sich die Rohstoffwende nicht von der Energiewende trennen. BASF beschreibt daher Elektrifizierung als zentralen Hebel, etwa durch elektrisch bereitgestellte Prozesswärme oder durch strombasierte Reaktionen. Auch die Nutzung von erneuerbarem Wasserstoff und CO2 Umwandlung wird als Option eingeordnet. Ein Beispiel sind elektrisch beheizte Reaktorkonzepte, die Hochtemperaturprozesse effizienter machen können. In diesem Kontext verweist der Beitrag auf das deutsche Wasserstoff Leitprojekt TransHyDE, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert wird. Damit Investitionen in neue Anlagen tatsächlich skaliert werden, brauche es laut BASF verlässliche Rahmenbedingungen, Leitmärkte für defossilisierte Produkte und eine Infrastruktur für Strom, Wasserstoff, CO2 und Recyclingströme.
ag