Neuer Biokunststoff für geschäumte Verpackungen
TotalEnergies Corbion bringt einen aufschäumbaren Biokunststoff aus Zuckerrohr auf den Markt. Das PLA soll auf bestehenden Anlagen zu leichten Verpackungsschalen verarbeitet werden können.
Leichte Verpackungen für Fleisch, Fisch oder Take-Away-Gerichte bestehen häufig aus aufgeschäumtem Polystyrol. TotalEnergies Corbion bringt nun mit Luminy FOAM 50F eine biobasierte Alternative auf den Markt. Der Kunststoff basiert auf Polymilchsäure, kurz PLA, die das Unternehmen aus Zuckerrohr herstellt. Das Material ist für Schalen, Klappboxen und Schüsseln ausgelegt.
Entscheidend ist eine Eigenschaft, die das Aufschäumen von PLA bislang erschwert. Gewöhnliche PLA-Schmelzen sind häufig nicht stabil genug, um gleichmäßige, leichte Schaumstrukturen zu bilden. Deshalb werden sie während der Verarbeitung oft chemisch modifiziert. Die neue Sorte besitzt nach Herstellerangaben von sich aus eine höhere Schmelzefestigkeit. Kettenverlängerer und eine reaktive Nachbehandlung im Extruder sollen dadurch entfallen.
Verarbeitung auf bestehenden Anlagen
Das neuartige PLA kann laut technischem Leitfaden auf den meisten Anlagen verarbeitet werden, die bislang extrudierten Polystyrolschaum, kurz XPS, herstellen. Ganz ohne Anpassungen läuft die Umstellung jedoch nicht. Das Granulat muss sehr trocken gehalten werden. Für eine gleichmäßige Porenstruktur werden geringe Mengen Talkum zugesetzt, außerdem ist ein Treibmittel wie Butan oder Isobutan nötig. Je nach Anlage kann auch eine stärkere Kühlung erforderlich sein.
Das Unternehmen bietet das Material nach eigenen Angaben weltweit an. Der CO₂-Fußabdruck der daraus hergestellten Schaumteile soll mindestens 70 Prozent niedriger sein als bei vergleichbaren Verpackungen aus aufgeschäumtem Polystyrol. Diese Angabe stammt vom Hersteller. Für den Kontakt mit Lebensmitteln ist der Kunststoff bislang nach US-amerikanischen und südkoreanischen Vorgaben freigegeben. In anderen Märkten ist er vorerst nur für Anwendungen ohne Lebensmittelkontakt vorgesehen.
Auch die industrielle Kompostierbarkeit löst die Entsorgungsfrage nicht automatisch. Beispielsweise werden in Deutschland biologisch abbaubare Kunststoffverpackungen in die Gelbe Tonne und nicht in den Bioabfall entsorgt. Für einen geschlossenen Kreislauf müssten PLA-Verpackungengetrennt gesammelt und in ausreichender Menge werkstofflich oder chemisch recycelt werden. Dafür braucht es geeignete Sortiertechnik, eigene Verwertungswege und eine klare Kennzeichnung. Eine Kompostierung wäre nur dort sinnvoll, wo entsprechende Verpackungen zugelassen sind und tatsächlich in industriellen Anlagen verarbeitet werden.
ag