Neue Wuchshüllen sollen Plastik im Wald vermeiden
Zwei FNR-geförderte Projekte bringen biobasierte Wuchshüllen für Jungbäume voran. Die neue DIN SPEC 35808 soll zeigen, welche Produkte sich unter Waldbedingungen wirklich abbauen.
In deutschen Wäldern werden jährlich etwa elf Millionen Wuchshüllen eingesetzt, die junge Bäume vor Wildverbiss und bedrängender Konkurrenzvegetation schützen. Der größte Teil dieser Hüllen besteht aus konventionellem Kunststoff, der sich im Boden nicht abbaut und kaum eingesammelt wird. Die Folge ist eine schleichende Anreicherung von Plastikresten und Mikroplastik im Waldboden.
Zwei vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) geförderte Projekte melden nun Ergebnisse. Im Verbundprojekt „TheForestCleanup“ entstanden zwei Produktlinien aus nachwachsenden Rohstoffen. Ergänzend wurde mit Praxispartnern der Landesforstverwaltungen die DIN SPEC 35808 für biologisch abbaubare Wuchshüllen erarbeitet.
Vulkanfiber und Biokunststoff statt fossiler Kunststoffhüllen
Im Projekt TheForestCleanup entstanden zwei Typen von Wuchshüllen. Eine Produktlinie besteht aus Vulkanfiber, einem Material auf Basis von gewalztem und pergamentiertem Holzzellstoff. Eine zweite nutzt den Biokunststoff Arboblend auf Basis nachwachsender Rohstoffe. Die Wuchshüllen aus Biokunststoff sind nach FNR-Angaben bereits seit 2023 am Markt verfügbar und werden über die ARBOTRADE GmbH vermarktet. Die Vulkanfiber-Wuchshüllen sind inzwischen marktreif; mehrere Tonnen Material wurden laut FNR bereits produziert und verarbeitet.
Die Produkte sind darauf ausgelegt, nach ihrer Nutzungsdauer unter Waldbedingungen biologisch abzubauen und keinen Eintrag von Mikroplastik zu verursachen. Neben der Produktentwicklung erarbeiteten die Beteiligten Konzepte für den Rückbau alter Plastikwuchshüllen, die bereits im Wald liegen. Denn selbst wenn biobasierte Alternativen künftig breiter eingesetzt werden, bleibt vorhandenes Altmaterial ein Problem.
DIN SPEC 35808 macht Abbaubarkeit messbar
Ein zentrales Problem der Branche war bislang das Fehlen eines einheitlichen Standards, der biologische Abbaubarkeit unter Forstbedingungen nachvollziehbar bewertet. Eine DIN SPEC ist ein Normdokument für neue Technologien, das schneller erarbeitet werden kann als eine klassische Norm. Die DIN SPEC 35808 legt nun Anforderungen und Prüfverfahren für Wuchshüllen aus nachwachsenden Rohstoffen fest, etwa aus Biopolymeren, Holzwerkstoffen, Naturfasern, natürlichen Harzen oder Wachsen. Damit entsteht eine Grundlage für unabhängige Prüfungen und für eine bessere Vergleichbarkeit am Markt
Bis biologisch abbaubare Wuchshüllen aus nachwachsenden Rohstoffen breiter eingesetzt werden, dürfte konventioneller Kunststoff im Waldumbau noch eine Rolle spielen. Mit der veröffentlichten DIN SPEC 35808 gibt es nun aber erstmals eine Grundlage, um Abbaubarkeit unter Waldbedingungen vergleichbar zu prüfen. Für Forstbetriebe und Hersteller kann das die Entscheidung erleichtern, welche Produkte nach der Nutzung im Wald verbleiben können und welche weiterhin rückgebaut werden müssen.
ag