Lignin-Granulat soll fossile Anteile in Kunststoffen senken

Lignin-Granulat soll fossile Anteile in Kunststoffen senken

AMP Polymix übernimmt den Vertrieb von Renol, einem ligninbasierten Granulat von Lignin Industries. Es kann Kunststoffen beigemischt werden und fossile Anteile senken.

Renol TPV Elastomere
Lignin aus pflanzlichen Reststoffen kann zu thermoplastischem Granulat verarbeitet werden, das bestehenden Kunststoffmischungen beigemischt wird.

Kunststoffe sollen in vielen Anwendungen weniger fossile Rohstoffe enthalten, ohne dass Verarbeiter dafür ihre Anlagen grundlegend umbauen müssen. Genau hier setzt eine neue Vertriebspartnerschaft an. Das schwedische Unternehmen Lignin Industries und der französische Polymerdistributor AMP Polymix wollen das ligninbasierte Material Renol in ausgewählten europäischen Märkten und Anwendungen verbreiten.

Renol ist ein patentiertes thermoplastisches Granulat aus Lignin und biobasiertem Öl. Es kann in der Kunststoffverarbeitung als Drop-in-Masterbatch eingesetzt werden, also als konzentrierte Beimischung, die vorhandenen Polymermischungen zugesetzt wird. Nach Angaben von Lignin Industries lässt sich das Material mit gängigen Kunststoffen wie Polyethylen (PE), Polypropylen (PP), Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) und Elastomeren kombinieren.

Renol wird bestehenden Kunststoffen beigemischt

Lignin kommt in den Zellwänden von Pflanzen vor und fällt in großen Mengen als Nebenstrom der Forst- und Agrarwirtschaft an. Für die Kunststoffverarbeitung ist der Rohstoff jedoch nicht ohne Weiteres geeignet, weil er meist als Pulver vorliegt und Wasser anziehen kann. Lignin Industries kombiniert Lignin deshalb mit biobasiertem Öl. Im Ergebnis entsteht Renol als thermoplastisches Granulat.

In vorhandenen Verarbeitungslinien kann Renol bestehenden Polymermischungen beigemischt werden. Das Unternehmen gibt an, dass Renol je nach Anwendung bis zu 40 Prozent einer Mischung ausmachen kann. Zusammen mit AMP Polymix sollen daraus Lösungen entstehen, die den Anteil fossiler Kunststoffe verringern und die CO₂-Emissionen im Endprodukt um bis zu 60 Prozent senken können. Diese Werte sind Ziel- beziehungsweise Herstellerangaben und hängen von der jeweiligen Polymermischung und Anwendung ab.

Renol ersetzt daher einen Kunststoff nicht vollständig. Es ist vielmehr eine biobasierte Komponente, die konventionelle oder recycelte Polymere teilweise ergänzt. Lignin Industries verweist zudem auf eigene Tests zur Recyclingfähigkeit von Renol-Mischungen mit PE, PP und ABS.

Vertrieb statt neuer Produktionsschritt

Die Partnerschaft mit AMP Polymix ist vor allem ein Marktentwicklungsschritt. AMP Polymix soll Renol exklusiv in ausgewählten Märkten und Anwendungen vertreiben und Kunden bei der technischen Integration unterstützen. Im Fokus stehen Mobilität, Konsumgüter, Verpackungen und industrielle Anwendungen.

Dass ligninbasierte Kunststoffe in anspruchsvollere Anwendungen gelangen sollen, zeigt auch eine frühere Zusammenarbeit von Lignin Industries mit dem Lkw-Hersteller Scania. Dort wurden mögliche Bauteile diskutiert, bei denen ein Teil fossiler Kunststoffanteile durch ligninbasierte Materialien ersetzt und Komponenten zugleich leichter werden könnten.

Für die industrielle Nutzung bleiben dennoch offene Fragen. Entscheidend wird sein, in welchen Produkten die Mischungen die geforderten mechanischen, optischen und regulatorischen Eigenschaften erreichen, wie stabil die Lieferketten für geeignetes Lignin sind und ob die angekündigten Klimavorteile in konkreten Anwendungen bestätigt werden. Die neue Partnerschaft liefert dafür keinen neuen Forschungsbefund, kann aber den Weg in größere Kundenprojekte verkürzen.

ag