HVO-Kraftstoff läuft im Schiffsmotor

HVO-Kraftstoff läuft im Schiffsmotor

Eni und MSC Cruises haben HVO-Diesel aus Rest- und Abfallstoffen rund 2.000 Stunden in einem Motor der MSC Opera getestet. Der Versuch zeigt technische Machbarkeit, doch Rohstoffe bleiben begrenzt.

MSC Opera
Auf der MSC Opera wurde HVO-Diesel im Schiffsbetrieb getestet. Einer der Motoren lief rund 2.000 Stunden mit dem erneuerbaren Dieselersatz aus Rest- und Abfallstoffen.

Schiffe lassen sich nicht so leicht elektrifizieren wie Pkw oder Lieferfahrzeuge. Für lange Strecken und hohe Lasten werden flüssige Kraftstoffe deshalb noch länger gebraucht.

Der italienische Energiekonzern Eni und MSC Cruises haben dafür einen Praxistest mit HVO-Diesel abgeschlossen. HVO steht für Hydrotreated Vegetable Oil. Gemeint ist ein erneuerbarer Dieselersatz aus Ölen und Fetten. Im Test lief einer der Motoren des Kreuzfahrtschiffs MSC Opera rund 2.000 Stunden mit reinem HVO-Kraftstoff. Laut Eni waren dafür keine Änderungen am Motor nötig.

Reststoffe für die Schifffahrt

Der Kraftstoff stammt von Enilive und wird in Bioraffinerien in Venedig und Gela hergestellt. Als Rohstoffe nennt das Unternehmen gebrauchte Speiseöle, tierische Fette und Reststoffe aus der Agrar- und Lebensmittelindustrie. Damit berührt der Test ein zentrales Thema der Bioökonomie. Abfall- und Restströme sollen fossile Rohstoffe dort ersetzen, wo andere erneuerbare Lösungen schwer einsetzbar sind.

Während des Versuchs wurden Leistungs- und Emissionsdaten erfasst. Laut Eni lief der Motor mit vergleichbarer Leistung wie bei herkömmlichem Schiffskraftstoff. Die Stickoxid-Emissionen sanken um 16 Prozent, auch die Partikelemissionen gingen zurück. Die Treibhausgasemissionen gibt Eni über den Lebenszyklus mit rund 80 Prozent weniger im Vergleich zu fossilem Kraftstoff an. Die Auswertung unterstützte Wärtsilä, laut Eni validierte Bureau Veritas die Ergebnisse.

Seit 2025 gilt die EU-Verordnung FuelEU Maritime vollständig. Sie setzt Grenzwerte für die Treibhausgasintensität der an Bord genutzten Energie und soll den Einsatz erneuerbarer sowie kohlenstoffarmer Kraftstoffe fördern. Der Test zeigt technische Machbarkeit unter realen Betriebsbedingungen. Für eine breitere Nutzung wird entscheidend sein, ob nachhaltige Rohstoffketten, Verfügbarkeit und Kosten zusammenpassen. Denn Rest- und Abfallöle sind auch für Straßenverkehr und Luftfahrt begehrte Rohstoffe.

ag