Fichtenschadholz bleibt über Jahre nutzbar

Fichtenschadholz bleibt über Jahre nutzbar

Fichtenschadholz muss nicht verbrannt werden, sondern kann als Rohstoff weitergenutzt werden. Untersuchungen des Fraunhofer WKI zeigen, dass es auch nach längerer Stehendlagerung für verschiedene Holzprodukte geeignet ist.

Abgestorbene Fichten im Harz
Abgestorbene Fichten im Harz bleiben nach Schadereignissen teils über längere Zeit im Wald stehen. Untersuchungen zeigen, dass dieses Holz dennoch für verschiedene Holzprodukte geeignet sein kann.

Dürre, Stürme und Schädlinge wie der Borkenkäfer haben in den vergangenen Jahren große Mengen an Fichtenschadholz entstehen lassen. Weil Forstbetriebe das Holz nicht immer sofort ernten und verarbeiten können, bleiben abgestorbene Bäume teils längere Zeit im Wald stehen. Wie lange sich dieses Holz noch hochwertig nutzen lässt, haben Forschende des Fraunhofer Instituts für Holzforschung WKI gemeinsam mit Partnern untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass Fichtenholz selbst nach längerer Stehendlagerung noch für langlebige Produkte geeignet sein kann. 

Vom Dürrständer zum Baustoff

Für die Untersuchungen entnahm das Team Fichtenholz aus Kalamitätsflächen aus dem Nationalpark Harz und dem Sauerland, also von Bäumen, die durch Schadereignisse wie Borkenkäferbefall geschädigt oder abgestorben waren. Dabei analysierten die Forschenden zum einen stehende, im Wald verbliebene Bäume mit unterschiedlichen Absterbezeitpunkten und -dauern. Ergänzend untersuchten sie Kalamitätsfichtenholz aus Trockenlagern, das über verschiedene Zeiträume aufbewahrt worden war. Aus dem Material stellten sie unter anderem Bretter, Bohlen und Kanthölzer sowie geklebte Vollholzprodukte wie Brettsperrholz und Brettschichtholz her. Geprüft wurden beispielsweise Sortierung, Verklebung und mechanische Eigenschaften nach geltenden Normen.

Dabei zeigte sich, dass Fichten, die höchstens zwei Jahre stehend gelagert wurden, noch eine ausreichende Holzqualität für großvolumige geklebte Holzbauteile aufweisen. Damit kann ein Teil des Schadholzes länger stofflich genutzt werden, anstatt frühzeitig energetisch verwertet zu werden. Dies entspricht dem Prinzip der Kaskadennutzung. Dabei wird ein Rohstoff zunächst möglichst lange in Produkten eingesetzt und erst zu einem späteren Zeitpunkt energetisch genutzt. 

Breites Einsatzspektrum trotz Alterung

Für Holzwerkstoffe fällt das mögliche Zeitfenster noch größer aus. Nach Angaben des Fraunhofer WKI ließ sich Fichtenschadholz auch nach mindestens vier Jahren Lagerung zu Grobspanplatten (OSB), Spanplatten und mitteldichten Faserplatten (MDF) verarbeiten, ohne dass größere Qualitätseinbußen auftraten. Auch eine Nutzung für Dämmstoffe ist möglich. Allerdings entsteht bei der Verarbeitung im Vergleich zu Frischholz ein deutlich höherer Anteil an Feinpartikeln und Stäuben. 

Gerade bei großen Schadereignissen kann diese längere Nutzbarkeit helfen, den Zeitdruck bei Ernte, Lagerung und Verarbeitung zu verringern. Zugleich eröffnet sie die Möglichkeit, mehr von dem bereits vorhandenen Holz in Bauprodukten und Holzwerkstoffen einzusetzen. So kann der Rohstoff zunächst stofflich genutzt werden, bevor am Ende seines Lebenszyklus eine energetische Verwertung infrage kommt. 

Aus den Projektergebnissen haben die beteiligten Forschungseinrichtungen und Industriepartner einen Leitfaden mit produktspezifischen Sortierkriterien erarbeitet. Er soll Waldbesitzenden und Unternehmen helfen, Schadholz je nach Zustand gezielt den passenden Produkten zuzuordnen. Damit lässt sich auch länger gelagertes Fichtenschadholz gezielter als Rohstoff für langlebige Holzprodukte nutzen. 

mw