Fehlende Nachfrage bremst Markt für biobasierte Produkte

Fehlende Nachfrage bremst Markt für biobasierte Produkte

Ein neuer BIC-Bericht sieht fehlende Nachfrage als zentrale Bremse für biobasierte Produkte in Europa. Er benennt mögliche Leitmärkte und vergleicht politische Instrumente, die den Absatz stärken könnten.

Biologisch abbaubarer Plastiklöffel und -gabel
Biologisch abbaubares Besteck steht beispielhaft für alternative Materialien, deren Markterfolg auch von einer verlässlichen Nachfrage abhängt.

Technologien allein schaffen noch keinen Markt. Damit biobasierte Lösungen im größeren Maßstab wirtschaftlich Fuß fassen können, brauchen Unternehmen auch eine verlässliche Nachfrage. Hier sieht das Bio-based Industries Consortium (BIC) in Europa eine Schwachstelle. Ein am 14. Juli veröffentlichter Bericht untersucht, in welchen Bereichen europäische Leitmärkte entstehen könnten und welche politischen Instrumente deren Entwicklung unterstützen können.

Chemikalien, Kunststoffe und Textilien im Fokus

Als mögliche Leitmärkte nimmt der Branchenverband Kunststoffe und faserbasierte Verpackungen, Chemikalien sowie Textilien in den Blick. Drei Arbeitsgruppen bewerteten dafür Marktgröße, Wachstum, Umweltvorteile und Wettbewerbsfähigkeit. Die weltweite Produktionskapazität biobasierter Kunststoffe könnte demnach von 2,3 Mio. Tonnen 2025 auf 4,7 Mio. Tonnen 2030 steigen.

Auch bei Chemikalien sieht der Bericht Spielraum. Die europäische Chemieindustrie kommt auf rund 655 Mrd. Euro Jahresumsatz, während der Anteil biobasierter Produkte nur auf etwa acht Prozent geschätzt wird. Bei Textilien verweist BIC zugleich auf europäische Stärken bei zellulosebasierten Chemiefasern, Flachs und Hanf.

Vier Instrumente für mehr Nachfrage

Für die Entwicklung solcher Leitmärkte vergleicht BIC vier Ansätze: verbindliche Mindestanteile oder Quoten, steuerliche Anreize, angepasste Gebühren im Rahmen der erweiterten Herstellerverantwortung sowie grüne öffentliche Beschaffung. Bewertet wurden Reichweite, Fairness, Umsetzbarkeit und Kontrollierbarkeit. Grundlage sind Rückmeldungen von BIC-Mitgliedern.

Am besten schneiden verbindliche Vorgaben für biobasierte Anteile ab. Aus Sicht des Verbands könnten sie verlässlichere Absatzperspektiven schaffen und Investitionen erleichtern. Steuerliche Vorteile ließen sich schneller einsetzen, erzeugten allein aber ein schwächeres Nachfragesignal. Auch Herstellergebühren und öffentliche Beschaffung könnten den Absatz unterstützen. Nötig seien dafür gemeinsame Standards und Nachhaltigkeitskriterien.

Die Ergebnisse ergänzen eine Analyse des nova-Instituts, über die Bioökonomie.de im Juni berichtete. Dort wurde modelliert, welche Investitionen eine Fünf-Prozent-Quote für biobasierte Polymere auslösen könnte. Die BIC-Auswertung ist breiter angelegt und stellt mehrere Produktgruppen und politische Ansätze gegenüber. Sie ist keine unabhängige wissenschaftliche Studie, sondern eine mit Mitgliedern des Industrieverbands erarbeitete Branchenposition. Welche Instrumente politisch aufgegriffen werden, ist damit nicht entschieden.

ag