Fasern für Bauplatten aus Hanf und Kenaf
Im EU-Projekt MarginUp! werden Hanf und Kenaf in Fruchtfolgen auf ertragsschwachen Böden getestet. Die Fasern sollen in Bauplatten gehen, Restströme in Biogas und Dünger. Das soll neue regionale Kreisläufe schaffen.
In der Bauwirtschaft werden große Mengen mineralischer und fossiler Rohstoffe eingesetzt. Gefragt sind daher Materialien, die Kohlenstoff länger binden und sich in regionale Stoffkreisläufe einfügen. Im EU-Projekt MarginUp! richtet sich der Blick auf zwei Faserpflanzen: In der spanischen Extremadura werden Hanf und Kenaf in Fruchtfolgen eingebaut, um daraus Rohstoffe für Bauplatten zu gewinnen. Kenaf ist eine schnell wachsende Faserpflanze; ähnlich wie Hanf liefert sie faserreiche Stängel.
Vom Feld zur Bauplatte
Der spanische Versuch läuft in mehreren Gemeinden im Norden der Provinz Cáceres. Die Region ist von hohen Temperaturen, knapper Wasserverfügbarkeit und Böden mit wenig organischer Substanz geprägt. MarginUp! will prüfen, ob sich Hanf und Kenaf neben Tomaten, Mais und Paprika in die Landwirtschaft integrieren lassen. Nach Projektangaben benötigen die Pflanzen bis zu 50 % weniger Wasser als dort übliche Kulturen.
Bei einem Besuch ungarischer Stakeholder zeigten die Projektpartner Feldversuche und erste Schritte der Fasertrennung. Beteiligt sind unter anderem CICYTEX und das Tabakverarbeitungsunternehmen CETARSA. Der Bioökonomie-Bezug liegt in der Verbindung von Landwirtschaft und Bauwirtschaft: Die Pflanzen werden nicht als Lebensmittel angebaut, sondern als industrielle Rohstoffe für lokale Wertschöpfungsketten.
Reststoffe bleiben im Kreislauf
Aus den trockenen Stängeln sollen Bauplatten entstehen, die unter anderem fossile Dämm- und Füllmaterialien ersetzen könnten. Die Pressemitteilung nennt rund sieben Tonnen trockene Stängel pro Hektar als Bezugsgröße für die Plattenherstellung. Auch Nebenströme sollen genutzt werden: Hanfstaub wurde für die Biogasproduktion untersucht, organische Dünger sollen wieder auf die Flächen zurückgeführt werden.
Noch handelt es sich um ein Demonstrations- und Pilotvorhaben. Getestet werden Anbau, Fasertrennung, Materialprototypen und die wirtschaftliche Tragfähigkeit der gesamten Kette. MarginUp! wird vom Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie in Potsdam koordiniert und untersucht mehrere europäische Anwendungsfälle auf marginalen Flächen. Entscheidend wird sein, ob daraus Baustoffe mit verlässlicher Qualität, ausreichender Nachfrage und tragfähiger regionaler Logistik werden.
ag