EU setzt auf Eiweißpflanzen und alternative Proteine

EU setzt auf Eiweißpflanzen und alternative Proteine

Ein neuer EU-Aktionsplan soll Europas Abhängigkeit von importiertem Soja verringern. Im Fokus stehen Eiweißpflanzen, bessere Verarbeitungsketten und Innovationen für alternative Proteine.

Ackerbohnenfeld
Ackerbohnen gehören zu den Eiweißpflanzen, die in Europa stärker angebaut und genutzt werden sollen.

Futtermittel wirken selten wie eine strategische Ressource. Für Europas Landwirtschaft sind sie es aber. Die EU-Kommission hat am 7. Juli einen Protein Action Plan vorgelegt, der die Abhängigkeit von importierten Eiweißträgern verringern soll. Gemeint sind vor allem proteinreiche Futtermittel aus Ölsaaten und Eiweißpflanzen, darunter Soja. Bis 2035 soll der Anteil von in der EU erzeugtem Protein aus solchen Kulturen, das als Tierfutter genutzt wird, von unter 26 % auf 35 % steigen.

Heute produziert die EU nach Kommissionsangaben rund 67 Mio. Tonnen pflanzliches Rohprotein aus Acker- und Futterpflanzen, nutzt aber etwa 80 Mio. Tonnen für Futter, Lebensmittel und industrielle Anwendungen. Besonders groß ist die Lücke bei eiweißreichen Futtermitteln: Bei Ölsaaten und Eiweißpflanzen ist die EU weiterhin stark auf Importe angewiesen.

Mehr Anbau und bessere Wertschöpfung

Der Aktionsplan setzt nicht nur beim Anbau an. Mitgliedstaaten sollen über Instrumente der Gemeinsamen Agrarpolitik Eiweißpflanzen wie Erbsen, Ackerbohnen, Lupinen und Soja stärker fördern können. Solche Leguminosen binden mithilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft und können in Fruchtfolgen den Bedarf an Mineraldünger senken. Gleichzeitig sollen Lagerung, Verarbeitung und Verträge entlang der Wertschöpfungskette gestärkt werden, damit Landwirte beim Umstieg auf solche Kulturen verlässlichere Absatzwege haben.

Auch die Nachfrage soll wachsen. Die Kommission nennt Herkunftskennzeichnung, öffentliche Beschaffung und Informationskampagnen zu Hülsenfrüchten. Für die Tierhaltung geht es außerdem um mehr regional erzeugtes Futter, eine bessere Nutzung von Grünland und angepasste Fütterungsstrategien. Der Plan ergänzt damit die ebenfalls veröffentlichte EU-Strategie für den Viehsektor.

Proteine aus Pflanzen, Algen und Fermentation

Der Plan führt direkt in bioökonomische Wertschöpfung hinein. Neben Eiweißpflanzen nennt die Kommission auch Algen, Insekten, Fermentation und andere alternative Proteinquellen. Fermentationsverfahren, bei denen Mikroorganismen aus Rohstoffen oder Nebenströmen proteinreiche Biomasse oder Zutaten bilden, werden als ergänzender Weg beschrieben. Solche Prozesse könnten neue Märkte für landwirtschaftliche Rohstoffe und Nebenströme schaffen. Ob Landwirte und ländliche Räume davon profitieren, hängt aber davon ab, wie diese Wertschöpfungsketten organisiert werden.

Zugleich bleibt die Einordnung vorsichtig. Nachhaltigkeit, Sicherheit, Kosten, Akzeptanz und Kennzeichnung alternativer Proteinprodukte müssen geprüft werden; einige Verfahren können energieintensiv sein. Der Aktionsplan ist daher kein fertiges Förderprogramm für einzelne Technologien, sondern ein politischer Rahmen. Viele Schritte hängen von zukünftiger Agrarpolitik , nationalen und regionalen Plänen sowie von Investitionen in Verarbeitung und Forschung ab.

Das Gemeinsame Unternehmen Circular Bio-based Europe Joint Undertaking (CBE JU) hebt hervor, dass der Plan auch die Rolle biobasierter Innovationen und der besseren Nutzung von Biomasse benennt. Als zusätzlicher Hintergrund passt dazu ein Bericht der Europäischen Umweltagentur: Protein-Diversifizierung könne Versorgungssicherheit, Wettbewerbsfähigkeit und Umweltziele unterstützen, müsse aber langfristig und bewusst gesteuert werden.

ag