CO₂ wird Rohstoff für Polyurethan-Beschichtungen
Lacke, Beschichtungen und Klebstoffe brauchen Kohlenstoff. Econic Technologies nutzt dafür abgeschiedenes CO₂ und bringt neue Rohstoffe für Polyurethan-Anwendungen auf den Markt.
CO₂ steckt bereits in vielen Klimabilanzen. Künftig soll es häufiger auch direkt im Material landen. Das britische Unternehmen Econic Technologies hat neue Polyole für Polyurethan-Dispersionen vorgestellt, bei denen abgeschiedenes CO₂ als Kohlenstoffquelle in die Polymerchemie eingebaut wird.
Polyole gehören zu den zentralen Bausteinen für Polyurethane. Diese Kunststoffe stecken unter anderem in Schäumen, Beschichtungen, Klebstoffen und Dichtstoffen. Bei Polyurethan-Dispersionen liegen die Polymerbestandteile fein verteilt in Wasser vor. Solche Systeme sind für Lacke, Beschichtungen und Spezialanwendungen interessant, weil sie sich mit weniger organischen Lösungsmitteln verarbeiten lassen.
CO₂ im Molekül einstellen
Die neuen Polyole werden als Polycarbonat-Ether-Polyole bezeichnet. Nach Angaben von Econic können sie herkömmliche Polyetherpolyole, Polytetramethylenglykol und Polycarbonatglykol ersetzen. Für Hersteller ist vor allem relevant, dass sich der CO₂-Anteil auf molekularer Ebene einstellen lässt. Dadurch sollen Eigenschaften wie Haftung, Wasser- und UV-Beständigkeit sowie Haltbarkeit an die jeweilige Anwendung angepasst werden.
Econic sieht die Materialien als Baustein für Unternehmen, die indirekte Emissionen in Lieferketten senken wollen. Für die PCE-Polyole nennt das Unternehmen einen bis zu 30 % geringeren CO₂-Fußabdruck gegenüber Standardpolyolen.
Partner produzieren in den USA und China
Kommerziell relevant wird der Schritt, weil Econic seine Technologie an Polyolhersteller lizenziert. Genannt werden Monument Chemical in den USA und Changhua Chemical in China. Changhua hatte im März 2026 den Start einer kommerziellen Produktionsanlage für CO₂-basierte Polycarbonat-Ether-Polyole in Lianyungang gemeldet.
Die Meldung zeigt, wie sich die Rohstoffbasis der Chemie verbreitern könnte. Neben Biomasse kommt dabei auch abgeschiedenes CO₂ als Kohlenstoffquelle infrage. Entscheidend bleibt, wie die Materialien hergestellt werden und ob sich die angekündigten Vorteile in konkreten Produkten bestätigen.
ag