Biogas als strategische Reserve gegen Energieengpässe
Sinkende Gasspeicher und Kälteperioden zeigen, wie wertvoll flexible erneuerbare Gase sind. Der Fachverband Biogas fordert verlässliche Regeln, damit bestehende Anlagen mehr Biomethan und Wärme liefern können.
Die anhaltend tiefen Temperaturen setzen die Energieversorgung in Deutschland unter Druck. Die Füllstände der Gasspeicher sinken. Der Fachverband Biogas sieht in der heimischen Biogasproduktion eine Reserve, die kurzfristig entlasten und langfristig die Versorgung robuster machen kann. Präsident Thomas Karle warnt, dass ungenutzte Kapazitäten in bestehenden Anlagen am Ende wieder mehr Erdgas und Erdöl im System bedeuten.
Mehr Tempo bei Regeln und Netzen
Nach Angaben des Verbands erzeugen rund 10.000 Biogasanlagen in Deutschland etwa 95 Terawattstunden Energie und decken damit fast zehn Prozent des Gasverbrauchs. Das Gas fließt überwiegend in Kraft-Wärme-Kopplung, also in die gleichzeitige Strom und Wärmeerzeugung. Bereits rund 400.000 Haushalte sowie öffentliche Einrichtungen nutzen Biogaswärme. Damit Anlagen auch künftig zur strategischen Reserve werden können, brauche es laut Verband klare politische Signale und eine langfristig verlässliche Perspektive. Genannt werden unter anderem die schleppenden Gesetzesnovellen im Erneuerbare-Energien-Gesetz, im Gebäudemodernisierungsgesetz und im Energiewirtschaftsgesetz. Zudem bremse die Diskussion über einen möglichen Rückbau von Gasnetzen Investitionen in die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan, wenn der Netzanschluss unsicher bleibt.
Reststoffe als Hebel für mehr Biomethan
Positiv bewertet der Verband, dass das Biomassepaket die Ausschreibungsvolumina für 2025 und 2026 angehoben hat. Damit dieser Effekt nicht verpufft, solle die Regelung über 2026 hinaus verlängert werden, damit Anlagen aus den Boomjahren 2009 bis 2011 weiterlaufen können. Für den Ausbau verweist der Fachverband auch auf die EU Strategie zu Biomethan im Rahmen von REPowerEU, die ein Ziel von 35 Milliarden Kubikmetern pro Jahr bis 2030 setzt. Studien zufolge könnten langfristig bis zu 150 Terawattstunden Biogas allein aus Rest und Abfallstoffen bereitgestellt werden. In Kombination mit grünem Wasserstoff wären demnach bis zu 240 Terawattstunden synthetisches Methan möglich. Aus Sicht des Verbands würde eine solche Perspektive nicht nur das Klima entlasten, sondern auch regionale Wertschöpfung und Resilienz stärken.
ag