Auszeichnung für künstlichen Torf in Rekordzeit
ATB-Forscher Nader Marzban erhält den renommierten Hauptpreis der „Scientists for Nature Challenge“ für eine Technologie, die die Herstellung von Torf von Jahrtausenden auf wenige Minuten verkürzt. Die Innovation kann Moore schützen und ein wertvolles Kultursubstrat liefern.
Die Bildung von Torf ist ein natürlicher Prozess, der mehrere tausend Jahre dauert. Gleichzeitig werden Moore für den Abbau von Torf entwässert und zerstört, obwohl sie zu den wichtigsten Kohlenstoffspeichern der Erde gehören. Eine am Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) entwickelte Technologie könnte hier einen grundlegenden Wandel ermöglichen. Für seine Methode zur Herstellung von künstlichem Torf der ATB-Forscher Dr. Nader Marzban jetzt mit dem Hauptpreis der „Scientists for Nature Challenge“ auf der 75. Lindauer Nobelpreisträgertagung ausgezeichnet.
Künstlicher Torf statt jahrtausendelanger Torfbildung
Die neue Technologie beschleunigt die natürliche Torfbildung von einem Prozess auf wenige Minuten. Das künstlich erzeugte Material soll als nachhaltiger Ersatz in Kultursubstraten eingesetzt werden. Damit könnte der Bedarf an abgebautem Torf deutlich sinken. Das würde Moore entlasten, die nicht nur einzigartige Lebensräume für zahlreiche Tier und Pflanzenarten sind, sondern auch eine zentrale Rolle für den Klimaschutz spielen. Intakte Moore speichern große Mengen Kohlenstoff und verhindern so die Freisetzung von Treibhausgasen.
Die Auszeichnung erfolgte im Rahmen des Wettbewerbs unter dem Motto „A Quantum Leap for Biodiversity“. Gesucht waren Deep-Tech-Lösungen, die einen langfristigen Beitrag zum Schutz von Biodiversität und Ökosystemen leisten. Die sechs im Finale stehenden internationalen Forschenden wurden von einem wissenschaftlichen Gremium der Universitäten Cambridge und Oxford gemeinsam mit dem ausrichtenden Netzwerk „Families for Nature“ bewertet..
Bioökonomie mit Potenzial für die Praxis
Die Auszeichnung fand auf der Lindauer Nobelpreisträgertagung statt und unterstreicht das internationale Interesse an Lösungen, die wissenschaftliche Exzellenz mit konkretem Nutzen für Klima, Biodiversität und Bioökonomie verbinden. Preisträger Marzban ist nach der Verleihung überwältigt und voller Tatendrang. „Eine Botschaft ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Wissenschaftler tragen die Verantwortung, bahnbrechende Entdeckungen über das Labor hinauszutragen, sie schnell zu skalieren und in die Gesellschaft zu integrieren“, berichtet er von seinen Gedanken. Nach Angaben des Forschungsteams wurde die „Artificial Peat Technology“ bereits erfolgreich auf Pilotmaßstab skaliert. Das Preisgeld in Höhe von 10.000 Euro soll nun die nächste Entwicklungsphase unterstützen und den Weg in die praktische Anwendung beschleunigen.
hb