Aus Mitmachlabor wird Hightech-Forschung für neue Myzelwerkstoffe

Aus Mitmachlabor wird Hightech-Forschung für neue Myzelwerkstoffe

Am Fraunhofer UMSICHT in Dortmund entsteht ein modernes Technikum für Werkstoffe auf Basis von Pilzmyzel. Aus Pilzgeflecht werden nachhaltige Materialien entwickelt für Bau, Verpackung und Industrie.

Inkubation der Substrate für Pilzmyzel-Wachstum
Im Technikum des Fraunhofer UMSICHT wächst das Pilzmyzel unter kontrollierten Bedingungen in pflanzliche Ausgangsstoffe ein und bildet die Basis für nachhaltige, biobasierte Materialien.

Das Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Dortmund bündelt seine Forschung zu Myzelwerkstoffen unter der Marke FungiFacturing®. Mit einem neu ausgebauten Labor- und Technikum schafft das Institut eine Infrastruktur, um Pilzgeflecht als nachhaltigen Werkstoff systematisch weiterzuentwickeln und stärkt damit Ansätze einer zirkulären Bioökonomie und regionalen Wertschöpfung.

Weiterentwickelt wird damit eine Idee, die 2013 mit der DEZENTRALE als offenem Mitmachlabor begann und Öffentlichkeit erstmals in experimentelle Materialforschung einbezog. Aus einfachen Do-it-yourself-Aufbauten entstanden erste Versuche zur Pilzzucht und zu Myzelmaterialien, die durch Förderprogramme und Projekte wie das Innovative Citizen Festival zunehmend professionalisiert wurden.

Vom Mitmachlabor zur Forschungsinfrastruktur

Inzwischen ist aus dem partizipativen Ansatz ein hochspezialisierter Forschungsstandort geworden. Teile des ehemaligen Makerspaces wurden nach Oberhausen verlagert, während in Dortmund ein leistungsfähiges Technikum entstanden ist. Dort stehen Klimakammern, Autoklaven, 3D-Keramikdrucker und mikrobiologische Labore zur Verfügung, um Substrate gezielt zu entwickeln und Myzelmaterialien unter kontrollierten Bedingungen zu kultivieren. Forschende aus Biologie, Verfahrenstechnik und Maschinenbau arbeiten hier eng zusammen, um Rezepturen für unterschiedliche Anwendungen zu optimieren.

Vom Substrat zur Anwendung

Die Entwicklung reicht von der Auswahl pflanzlicher Reststoffe über die Inkubation des Pilzmyzels bis hin zur funktionalen Materialprüfung. Nach der Trocknung entsteht ein leichter, stabiler Werkstoff, der je nach Zusammensetzung Eigenschaften wie Dämmung, Brandschutz oder Abbaubarkeit aufweisen kann. Werkstoffcharakterisierung und Ökobilanzierung erfolgen in enger Zusammenarbeit mit weiteren Abteilungen des Instituts, um die Eignung für industrielle Anwendungen zu bewerten.

Ziel ist es, biobasierte Materialien in Bau-, Verpackungs- und Mobilitätsanwendungen zu etablieren und damit einen Beitrag zur Bioökonomie zu leisten. Das Team betont, dass die Kombination aus moderner Infrastruktur und anwendungsnaher Forschung entscheidend ist, um Myzelwerkstoffe aus der Nische in den industriellen Maßstab zu überführen. Auch Pilotprojekte mit Industriepartnern sollen den Transfer in marktfähige Produkte beschleunigen.

hb