Mit Strom und Design-Enzymen zu hochwertigen Produkten aus CO₂

Mit Strom und Design-Enzymen zu hochwertigen Produkten aus CO₂

Elektrizität trifft auf Biokatalyse und CO2 wird zum Ausgangspunkt neuer Wertschöpfung. Das Forschungsprojekt eCO2DIS entwickelt dafür eine Technologie-Plattform, die Prozesse neu denkt und zeigt, wie sich erneuerbare Energie mittels biochemischer Verfahren direkt in nachhaltige chemische Produkte übersetzen lässt.

Enzymdesign Symbolbild
Mit Strom und Designer-Enzymen wird CO₂ zum Rohstoff: Das Projekt eCO₂DIS entwickelt eine neue Plattform, die das Treibhausgas direkt in wertvolle chemische Bausteine überführt.

Was passiert, wenn zwei Disziplinen zusammenkommen, die lange getrennt voneinander gearbeitet haben? Im Forschungsprojekt eCO2DIS entsteht aus einer solchen Verbindung etwas Neues: ein technologisches „Betriebssystem“, das CO2 direkt in wertvolle chemische Produkte verwandeln soll. Das Projekt verbindet dazu die Elektrochemie mit der Biokatalyse. Ersteres nutzt elektrischen Strom, um chemische Reaktionen zu ermöglichen. Letzteres steuert indes diese Reaktionen hochpräzise mithilfe von Enzymen. Im Zentrum steht die Idee, biologische Prozesse nicht einfach nachzuahmen, sondern gleich neu zu entwerfen. Statt auf gewachsene Stoffwechselwege zu setzen, entwickelt das Team künstliche Reaktionsketten, die gezielt auf industrielle Anwendungen ausgerichtet sind

Vom Klimaproblem zum Rohstoff

Am Anfang steht ein Stoff, der vor allem als Problem gilt: das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid. In der Bioökonomie wird CO₂ jedoch zunehmend als Rohstoff der Zukunft verstanden, auch, weil nachwachsende Ressourcen allein den Kohlenstoffbedarf langfristig wohl kaum decken können. Zwar sind Pflanzen und einige Mikroorganismen in der Lage, CO₂ zu binden. Doch ihr Stoffwechsel ist das Ergebnis von Millionen Jahren Evolution und darauf ausgerichtet, zu überleben und sich fortzupflanzen, und nicht darauf, gezielt industrielle Produkte herzustellen. Für chemisch-technische Anwendungen sind diese natürlichen Prozesse daher oft zu langsam und ineffizient. 

Prof. Tobias Erb, Direktor am Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie in Marburg und einer der führenden Köpfe im Projekt, erklärt es so: „Die Evolution verlässt sich auf Dinge, die funktionieren, und entwickelt sie dann weiter. Ein bisschen so, wie wenn man Windows nutzt und jedes Update kleine Veränderungen mit sich bringt. Im Kern bleibt es aber das gleiche Betriebssystem. Wir denken das System neu und eröffnen so die Möglichkeit, Dinge zu verbessern, die festgefahren sind.“   

Enzymdesign Symbolbild MPI-TM
Die Gestaltung maßgeschneiderter Enzyme wie hier am MPI für Terrestrische Mikrobiologie ist komplex, doch sie schafft Lösungen, die in der Natur nicht vorkommen.

Die Forschenden in dem vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt eCO2DIS setzen daher auf einen besonderen Ansatz: Hier treiben grüner Strom oder Wasserstoff die Umwandlung direkt, kontrollierbar und potenziell deutlich effizienter an. So entsteht Schritt für Schritt ein neues „Betriebssystem“ für die chemische Industrie. Im Kern folgt das Verbundprojekt einer klaren Logik: CO2 wird nicht mehr indirekt über Biomasse mit all seinen Umwegen genutzt, sondern direkt in chemische Bausteine überführt und von dort aus gezielt weiterverarbeitet. Dafür ist das System in zwei aufeinander aufbauende Module gegliedert und vier Einrichtungen aus Wissenschaft und Industrie arbeiten Hand in Hand: das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik (IGB), die Technische Universität München (TUM), das Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie (MPI-TM) und die CASCAT GmbH. Im ersten Modul entwickeln die Forschenden den oft als „aktivierte Essigsäure“ bezeichneten Baustein Acetyl-Coenzym A (Acetyl-CoA), denn er nimmt eine Schlüsselposition im Modul 2 ein: als Ausgangsstoff vieler neuer industrieller Wertschöpfungen. 

Modul 1: Die CO₂-Fixierung – Wenn Elektrizität auf Biochemie trifft

Der erste Schritt besteht darin, das stabile CO2-Molekül überhaupt reaktiv zu machen. Dafür braucht es chemisch nutzbare Energie. In der Natur treibt Sonnenlicht die Photosynthese an. Pflanzen speichern die Lichtenergie in zwei Stoffen zwischen: sogenannte Cofaktoren, die mit NAD(P)H und ATP abgekürzt werden. Diese Moleküle dienen als grundlegende „Energiewährungen“ in Lebewesen, auch im Menschen. Bestimmte Enzyme der Pflanzen nutzen diese Stoffe und wandeln so das energiearme CO2 in energiereichen Zucker um. 

Die Forschenden im Projekt eCO2DIS gehen hier einen anderen Weg: Statt Licht dient erneuerbar gewonnener Strom oder Wasserstoff als Energiequelle. Über einen künstlich entworfenen enzymatischen Reaktionsweg wird CO2 schrittweise in Acetyl-CoA umgewandelt, ein zentrales Zwischenprodukt, das auch in lebenden Zellen eine Schlüsselrolle im Stoffwechsel spielt. Der Unterschied: Während die Natur diesen Baustein über komplexe und oft verlustreiche Wege erzeugt, ist der synthetische Pfad gezielt auf Effizienz und technische Nutzbarkeit ausgelegt. 

eCO2DIS Reaktionsweg Schema
Im Projekt eCO₂DIS wird Kohlenstoffdioxid (CO₂) mithilfe von Strom oder Wasserstoff (H₂) über enzymatische Schritte in das zentrale Zwischenprodukt Acetyl-CoA umgewandelt, das wiederum als Ausgangspunkt für wertvolle Chemikalien dient.

Die direkte Verbindung von Elektrochemie und Biokatalyse ist dabei eine der größten Herausforderungen und zugleich einer der spannendsten Aspekte des Projekts. Strom effizient für komplexe chemische Synthesen zu nutzen, ist alles andere als trivial. Denn Elektronen aus einer Elektrode einfach in ein Enzym zu leiten, funktioniert nicht ohne Weiteres. Deshalb nutzt eCO2DIS Schnittstellen, die beide Welten miteinander verbinden: Materialien wie Polymerstrukturen, die Elektronen aufnehmen, weiterleiten und für die Enzyme verfügbar machen. An dieser Schnittstelle arbeiten Forschende um Prof. Nicolas Plumeré an der TU München. Dafür betten sie empfindliche Enzyme in eine Art molekulare Übersetzungsschicht zwischen physikalischer und biologischer Welt ein: sogenannte redox-aktive Polymerstrukturen puffern elektrische Spannungen, leiten Elektronen gezielt weiter und sorgen dafür, dass die Biokatalysatoren auch unter industriellen Bedingungen aktiv bleiben. Parallel dazu erstellt das Team mithilfe mathematischer Modelle und Simulationen detaillierte „Landkarten“ der Reaktionen, um optimale Betriebsbedingungen vorherzusagen und Engpässe im System zu identifizieren. 

Ein wichtiger Durchbruch für die Anwendung gelang bereits im Vorfeld einem Team um Tobias Erb: Sie entwickelten eine Art Adapterprotein, dass ATP direkt aus elektrischer Energie regenerieren kann. Diese Erfindung war ein Meilenstein und eine grundlegende Voraussetzung dafür, dass Strom direkt als Antrieb für die biochemischen Reaktionen genutzt werden kann. Auch die anderen „Energiewährungen“, die Cofaktoren NADPH oder NADH, müssen ständig regeneriert, also gewissermaßen immer wieder neu aufgeladen werden. Am Fraunhofer IGB in Straubing beschäftigen sich Dr. Melanie Iwanow und Dr. Steffen Roth mit der stromgetriebenen Regeneration der Cofaktoren. „Die Basis bildet eine bestehende Toolbox an NADPH-regenerierenden Enzymen, welche spezifisch für NADH erweitert wird,“ erläutern sie. Auch hier sind diese Enzyme in ein Polymergel eingebettet, das Elektronen gezielt weiterleitet und zugleich die empfindlichen Biokatalysatoren schützt.

Bioelektrokatalyse eCO2Dis
Am Fraunhofer IGB wird getestet, wie Strom Enzyme antreibt, um wichtige Reaktionshelfer wie den Cofaktor NADH zu regenerieren.

Mit der erfolgreichen Regenerierung der Cofaktoren wird ein wichtiger Grundstein für die Energieversorgung gelegt, die die anschließenden Syntheseschritte überhaupt erst ermöglicht. Im weiteren Projektverlauf wurden zahlreiche Enzyme in den Reaktionsweg integriert, die CO2 über mehrere Zwischenstufen schrittweise zu Acetyl-CoA umwandeln. Einige dieser Schritte sind besonders bemerkenswert, weil sie in dieser Form in der Natur nicht vorkommen. So entwickelte das Marburger Forschungsteam ein neues Enzym namens Formiat-Reduktase (FAR). „Mit FAR haben wir erstmals ein einzelnes, robustes Enzym, das Formiat zuverlässig zu Formaldehyd reduziert – genau dort, wo viele biotechnologische Wege beginnen“, erklärt Dr. Maren Nattermann, die die Entwicklung leitete. Damit ergänzt das maßgeschneiderte Enzym den künstlichen Stoffwechsel um einen entscheidenden neuen Baustein.

Dabei ist es nicht naturgegeben, dass die einzelnen Reaktionen nahtlos ineinandergreifen. Die CASCAT GmbH in Straubing richtet ihren Blick daher auf das Zusammenwirken der Bindeglieder. „Die Identifizierung passender Enzyme gestaltet sich häufig anspruchsvoll, da die jeweiligen Anforderungen einander widersprechen können: Hohe Stabilität und hohe Aktivität über ein breites Spektrum physikalischer Parameter lassen sich selten ohne Weiteres vereinen und erfordern daher eine breite Kandidatenbasis bei der Auswahl,“ gibt André Pick von CASCAT zu bedenken. Daher bringt sein Team an dieser Stelle Expertise in der Entwicklung effizienter Biokatalysatoren in das Projekt ein. Das Ergebnis der Zusammenarbeit im ersten Modul ist eine Art universeller Baustein: Acetyl-CoA ist im natürlichen Stoffwechsel ein zentraler Dreh- und Angelpunkt. Für die eCO2DIS-Forschenden fungiert es als Plattformmolekül, von dem aus sich viele weitere Verbindungen herstellen lassen.

Labor CASCAT
Die Forschenden der CASCAT GmbH achten im Projekt eCO₂DIS auf das reibungslose Zusammenspiel der maßgeschneiderten Biokatalysatoren, die CO₂ effizient in wertvolle chemische Produkte umwandeln.
Modul 2: Eine Vielfalt an wertvollen Produkten

Im zweiten Modul des Projekts wird dieser Baustein gezielt weiterverarbeitet. Über möglichst kurze Abfolgen von enzymatischen Reaktionen entstehen aus Acetyl-CoA unterschiedliche chemische Produkte, je nachdem, welche Reaktionswege „programmiert“ werden. Das Spektrum reicht von Lösungsmitteln wie Butanol über Aromaten bis hin zu Terpenen, die etwa in der Pharma-, Kosmetik- oder Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. 

Beim Fraunhofer IGB liegt der Fokus dabei auf einem spezifischen Molekül: Phloroglucin. Dieser aromatische Baustein gilt als wichtiger Ausgangsstoff für die pharmazeutische Industrie und analytische Chemie. Er wird unter anderem zur Herstellung von Wirkstoffen eingesetzt, die krampflösende Eigenschaften haben, und dient darüber hinaus als Zwischenprodukt für Farbstoffe, Kunstharze oder bestimmte Hochleistungsmaterialien. Gerade weil Phloroglucin heute meist noch auf petrochemischen Wegen hergestellt wird, gilt eine nachhaltige, CO₂-basierte Produktion als besonders attraktiv.

„Auf der Produktschiene liegt der Fokus klar auf der möglichst effizienten sowie skalierbaren Herstellung des aromatischen Bausteines“, erklären die Fraunhofer-Forschenden. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten die Projektpartner daran, die beteiligten Enzyme gezielt zu verbessern. Durch Enzym-Engineering und Immobilisierung sollen sie stabiler werden und auch unter industriell relevanten Bedingungen zuverlässig funktionieren. Der entscheidende Schritt bestehe schließlich darin, die gesamte Reaktionskette zusammenzuführen: vom CO2 bis zum fertigen Produkt, so die Themenfeldleiterin für Biohybride Materialien: „Die letzte und größte Herausforderung besteht im Zusammensetzen der kompletten Enzymkaskade. Dabei kommt es vor allem darauf an, dass alle beteiligten Enzyme und Reaktionsbedingungen optimal aufeinander abgestimmt sind. Nur wenn diese komplexe Abstimmung gelingt, kann aus einem einfachen Molekül wie CO2 am Ende ein hochwertiger chemischer Baustein entstehen.“

Screening Phorogucin mittels Photometer.
Mit einem photometerbasierten Test werden im Labor Enzymvarianten verglichen, um diejenige mit der höchsten Aktivität für die Herstellung von Phloroglucin zu identifizieren.

Das Charmante ist dabei die Modularität des Systems: Nicht nur Phloroglucin kann so klimafreundlich produziert werden. Statt eines festen Produktionswegs können verschiedene Enzymkombinationen eingesetzt werden, um gezielt unterschiedliche Produkte herzustellen. Gerade diese Flexibilität unterscheidet den Ansatz von vielen klassischen biotechnologischen Verfahren. Während dort oft lebendige Mikroorganismen für die Produktion genutzt werden, arbeitet eCO2DIS mit isolierten Enzymen in einem kontrollierten System. Das ermöglicht es, Reaktionsbedingungen gezielt einzustellen und die Prozesse präzise zu steuern. Die einzelnen Reaktionswege lassen sich kombinieren, anpassen und erweitern. Neue Enzyme können integriert und Produkte gezielt ausgewählt werden. Damit nähert sich das System tatsächlich einem „Betriebssystem“ an: einer Plattform, auf der unterschiedliche Anwendungen aufbauen können. Statt eines festen Prozesses entsteht eine flexible Technologie, die sich an verschiedene industrielle Anforderungen anpassen lässt.

Ein programmierbares System ohne Zellen: Chance und Herausforderung

Die Entscheidung, alle Reaktionen außerhalb lebender Zellen laufen zu lassen, hat weitreichende Konsequenzen. In Mikroorganismen wird ein großer Teil der verfügbaren Energie dafür benötigt, die Zellen am Leben zu erhalten und ihr Wachstum zu ermöglichen. In einem zellfreien System entfällt dieser „Eigenbedarf“ vollständig und die eingebrachte Energie kann nahezu vollständig in die gewünschte Produktbildung fließen.

Darüber hinaus lassen sich im Reagenzglas deutlich höhere Konzentrationen bestimmter Stoffe erreichen, als es in lebenden Zellen möglich wäre. Viele Zielmoleküle, darunter Lösungsmittel wie Butanol, wirken bereits in moderaten Mengen toxisch und bremsen das Wachstum der Produzenten aus. Enzymkaskaden in einem zellfreien System können hingegen so konstruiert werden, dass sie auch unter Bedingungen stabil arbeiten, die für Mikroorganismen längst tödlich wären. Dadurch eröffnen sich Produktionswege, die in vivo, also in lebenden Zellen, kaum realisierbar sind.

Trotz dieser Vorteile bringt der in‑vitro‑Ansatz auch erhebliche Herausforderungen mit sich. Lebende Zellen bringen ein komplettes biologisches Grundgerüst mit, vom Stoffwechsel bis zur Vermehrung. Im zellfreien System muss jede Funktion künstlich bereitgestellt werden. Das betrifft nicht nur einzelne Enzyme und Cofaktoren, sondern die gesamte Umgebung für Energieumwandlung, Regenerationsmechanismen und die räumliche Organisation der Reaktionen. Zudem sind zellfreie Systeme meist nur begrenzt stabil und erfordern eine präzise Abstimmung aller Komponenten, um über längere Zeit effizient zu arbeiten. Dass es dennoch funktionieren kann, demonstrieren die Forschenden nun in eCO2DIS.

Warum eCO₂DIS die Bioökonomie von morgen prägt

CO2 als Rohstoff: Umwandlung des Treibhausgases in nutzbare Ausgangsstoffe ersetzt fossile Ressourcen, reduziert Nutzungskonflikte bei Biomasse und schließt Kohlenstoffkreisläufe. 

Erneuerbare Energie: Direkte Nutzung grünen Stroms oder Wasserstoffs für biochemische Prozesse erweitert Möglichkeiten für klimaneutrale Produktion.

Neue Stoffwechselwege in modulare Plattform: Effiziente, künstliche Reaktionspfade jenseits natürlicher Grenzen ermöglichen flexible Herstellung verschiedener hochwertiger Chemikalien.

Vom „Proof of Concept“ zur Bioökonomie

Noch ist eCO2DIS ein Forschungsprojekt im Labormaßstab, ein „Proof of Concept“, der zeigen soll, dass sich CO2 mithilfe von Strom und Enzymen in komplexe und wertvolle chemische Produkte umwandeln lässt. In Technologiereifegraden gesprochen, bringt das Projekt die Technologie von Stufe 2-3, also der Formulierung und experimentellen Bestätigung des Konzepts, bis zur Stufe 4-5, dem Funktionsnachweis im Labor und in der Einsatzumgebung. Die wirtschaftliche Perspektive ist dabei von Anfang an mitgedacht. Statt auf einfache, günstige Massenchemikalien als Endprodukte zu zielen, konzentriert sich der Ansatz bewusst auf hochwertige Produkte wie Terpene, Aromaten oder spezielle Alkohole. In diesen Bereichen könnten CO₂-basierte Verfahren schneller konkurrenzfähig werden und den Einstieg in industrielle Anwendungen ermöglichen. 

Gleichzeitig ist klar: eCO2DIS wird nicht die eine Lösung für eine klimaneutrale Industrie liefern. Vielmehr fügt sich das Projekt in ein größeres Bild ein. Eine nachhaltige Bioökonomie wird auf verschiedenen Säulen stehen, von erneuerbaren Energien und nachwachsenden Rohstoffen über effiziente Kreisläufe bis hin zu neuen biotechnologischen und synthetischen Verfahren. Mit ihrem Ansatz eröffnen die Forschenden im Projekt eine zusätzliche Option, Kohlenstoffdioxid gezielt zu nutzen und im Kreislauf zu führen.

Langfristig soll daraus ein grundlegender Wandel entstehen. Wenn es gelingt, CO2 als verlässlichen Rohstoff zu etablieren, kann sich die chemische Industrie von fossilen Quellen lösen und zugleich unabhängiger von begrenzten Biomasseressourcen werden. Für Tobias Erb ist das Teil einer größeren Vision: Technologien wie eCO2DIS könnten dazu beitragen, erneuerbare Energie direkt mit biochemischer Produktion zu verknüpfen, und so neue industrielle Wertschöpfungsketten schaffen. Ob und in welcher Form sich die konkreten Konzepte durchsetzen, ist noch offen. Doch schon heute zeigt sich, dass hier mehr entsteht als ein einzelnes Verfahren. eCO2DIS steht exemplarisch für eine neue Generation von Technologien, die Biologie nicht nur versteht, sondern gezielt gestaltet. Das Projekt eröffnet damit Wege, CO2 vom Klimaproblem zum Baustein einer nachhaltigen Zukunft zu machen.

initiirt durch: BMFTR

eCO2DIS

Simulationsgeleitete Entwicklung eines strom- oder H₂-getriebenen in-vitro-Acetyl-CoA-Produktionsmoduls als Plattformchemikalie aus CO₂ für eine diversitätsorientierte Synthese

ProjektpartnerFraunhofer IGB, Institutsteil Straubing (Koordination)
Technische Universität München Campus Straubing (TUMCS), Straubing
Max-Planck-Institut für terrestrische Mikrobiologie (MPI-TM), Marburg
CASCAT GmbH, Straubing
FörderungBundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR)
ProjektträgerProjektträger Jülich (PtJ)
Laufzeit01/2024–12/2026
Förderkennzeichen031B1405A-D
Fördersumme1.974.943 €

 

Publikationen im Zusammenhang mit dem Projekt eCO2DIS (Stand April 2026)

  • Plumeré et al. (2024) "A Geometric Interpretation of Kinetic Zone Diagrams in Electrochemistry." Journal of the American Chemical Society 146.50: 34771-34785. https://doi.org/10.1021/jacs.4c13271
  • Wichmann et al. (2025) "Engineering a Formic Acid Reductase." ACS Catalysis 15.24: 20485-20495. https://doi.org/10.1021/acscatal.5c04079
  • Filmon et al. (2025) "Turning the FeFe hydrogenase from Clostridium beijerinckii into an efficient H2 oxidation catalyst using a redox-active matrix." Proceedings of the National Academy of Sciences 122.41: e2514698122. https://doi.org/10.1073/pnas.2514698122

von Hanna Berger